Musiker entführen in die Wunderwelt der Blasmusik

Neobrass glänzen beim Konzert – und Wataru Takagi auch als Kabarettist – Von der Klassik bis zum Pop

Ein Bläser-Feuerwerk der Kontraste hat Neobrass beim Konzert im Edith-Stein-Haus gezündet. Das bekannte Blechbläser-Quintett mit Wataru Takagi und Rainer Benner (Trompete), Takako Yamanoi (Horn), Andreas Spiegelhalder (Posaune und Euphonium) sowie Markus Pfundstein (Tuba) entführte die begeisterte Zuhörerschar auf höchst spektakuläre Weise für zwei Stunden in die Wunderwelt des geblasenen Blechs.

Da war alles dabei, was musikalisch machbar war – von der Klassik bis zur anspruchsvollen Popmusik, vom gefühlvollen Spiritual bis zur heißen Polka. Die fünf Profi-Musiker – einige davon sind Lehrer an der Primtalmusikschule – ließen kein musikalisches Genre aus.

Und das Universal-Genie an der Trompete, Wataru Takagi aus Japan, begeisterte das Volk im Saal einmal mehr mit seinen Ansagen als Kabarettist und Witzbold. Von ihm erfuhr das Publikum nebenbei, dass Primtalmusikschul-Chef Benner die todschicken Klamotten ausgesucht hat.

Von Beginn an war die Stimmung gelöst und fröhlich. Nach einer höfisch-feierlichen Einstimmung gab’s mit Victor Ewalds „Quintet No. 1“ Klassik in drei Sätzen in Perfektion. „Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau“ – das sind für den trompetenden Moderator Takagi George Gershwins Kompositionen. Das zarte Wiegenlied „Summertime“ aus der Oper „Porgy und Bess“ und drei weitere weltbekannte Hits profitierten von den tollen Überleitungen.

Auch drei Spirituals, wunderbar schräg arrangiert, gaben den fünf gut aufgelegten Interpreten eine Menge Raum, um sich auf ihrem Instrument auszuleben. Vor allem Pfundsteins Tuba setzte in „Nobody knows“ die richtigen von den Zuhörern umjubelten Akzente. Mit einer russischen Polka, wo sich Takagi einen typischen Juchzer nicht verkneifen konnte, ging’s in die Pause. O-Ton eines kleinen Musikschülers: „Das war Klasse – aber auch die Witzle von dem einen japanischen Mann.“

Nach der Pause drehte Neobrass richtig auf, so dass eine weitere Stunde lang die Post abging. Mit absolut schönem Ton, fantastischer Technik und einer Menge Charme kam die „West Side Story“ von Leonard Bernstein daher. Takagi konnte sich den Hinweis nicht verkneifen, dass diese Musik am Samstag beim Konzert der Stadtkapelle auch gespielt werde. „Aber wir spielen besser“, so sein rotzfrecher Kommentar.

Dann ließen es die Neobrass-Virtuosen so richtig fetzen. Ob „Penny Lane“ von den Beatles (was „Pilzkopf“ Wataru besonders stand) oder „Concerto de Aranjuez“ mit spanischer Grandezza vorgetragen, das Quintett verpasste jedem Stück den richtigen Touch. Bei „Bugler’s Holiday“ erlebten die Zuhörer, wie ein Thema mit atemberaubender Geschwindigkeit durchs ganze Ensemble gereicht wurde.

Schwäbische Zeitung, 20.11.2013